Der 8. Oktober ist der Welttag des Sehens. Aus diesem Anlass war Professorin Oksana Vitovska — Medizinische Direktorin und wissenschaftliche Beraterin der Deutschen Augenklinik, Vorsitzende der Allukrainischen Allianz der Ophthalmologen, Doktorin der medizinischen Wissenschaften und Professorin am Lehrstuhl für Augenheilkunde der Nationalen Medizinischen Bohomolez-Universität — live zu Gast bei Suspilne, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Ukraine.
Es ging darum, wie Kriegsverletzten in der Ukraine das Sehvermögen zurückgegeben wird, welche Technologien dabei helfen und wie Stress, Schlafmangel und Stromausfälle die Augengesundheit beeinflussen.
Kriegsverletzungen des Auges brauchen ein Team
Laut Professorin Vitovska ist die größte Herausforderung, dass sich die Art der Verletzungen verändert hat. Eine Kriegsverletzung ist selten isoliert: Meist sind mehrere Strukturen des Auges betroffen, oft auch andere Organe. Deshalb braucht ein solcher Patient ein Team — Augenarzt und vitreoretinalen Chirurgen, dazu Neurochirurgen, Kiefer- und Gesichtschirurgen und weitere Fachleute.
Moderne Methoden gibt es bereits in der Ukraine
Die Augenchirurgie hat sich in den letzten Jahren stark verändert, und Hightech-Methoden werden auch in der Ukraine eingesetzt:
- ein 3D-Modell des verletzten Bereichs (zum Beispiel der Augenhöhle), um Implantate oder Prothesen schon vor der Operation individuell auszuwählen;
- intraoperative Bildgebung — der Chirurg sieht während der Operation sogar einzelne Netzhautschichten und kontrolliert das Ergebnis;
- Wiederherstellung der Augenoberfläche mit Amnionmembran, Hornhauttransplantation (Keratoplastik) und Keratoprothetik.
Zu Beginn des Krieges haben ukrainische Ärzte viel von internationalen Experten gelernt, die in die Ukraine kamen. Heute stellen unsere Augenchirurgen ihre eigenen Ergebnisse auf internationalen Kongressen vor und teilen ihre Erfahrung.
Stress, Schutzräume und Sehen
Der Krieg hat den Zugang zum Arzt erschwert, deshalb kommen immer mehr Patienten mit fortgeschrittenen Stadien von Erkrankungen wie diabetischer Retinopathie oder Glaukom. Stress selbst, erklärt die Professorin, beeinflusst das Sehen nicht direkt. Gestörter Schlaf und Tagesrhythmus hängen aber mit Trockenheit, Rötung und tränenden Augen zusammen. Und das Smartphone im dunklen Raum erzeugt einen starken Kontrast, der die Augen ermüdet.
Was Professorin Vitovska rät:
- freie Zeit für ausreichend Schlaf nutzen;
- mehr Zeit an der frischen Luft verbringen;
- rechtzeitig zum Augenarzt gehen.
So schützen Sie die Augen von Kindern bei Stromausfällen
- keine Hausaufgaben in völliger Dunkelheit — das ist für Kinder und Erwachsene riskant, besonders bei Risiko für erhöhten Augeninnendruck;
- eine Kerze reicht nicht; nötig ist eine normale Lampe, die nicht blendet und die Arbeitsfläche gleichmäßig beleuchtet;
- auf die richtige Sitzhaltung achten;
- täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht draußen sein — das hilft, Kurzsichtigkeit zu kontrollieren, die bei Kindern immer häufiger wird.
Ein Kind sagt nicht von selbst, dass es schlecht sieht — es merkt es nicht. Eltern sollten darauf achten, ob das Kind die Augen zusammenkneift, in der Ferne schlecht sieht oder beim Schauen den Kopf neigt.
Wenn Ihnen so etwas auffällt, vereinbaren Sie eine Augenuntersuchung in der Deutschen Augenklinik.
