Im Rahmen des 44. ESCRS-Kongresses in London fand der eintägige Kongress der Weltgesellschaft für Kinderophthalmologie und Strabismus (WSPOS) statt. Die Ärztin der Deutschen Augenklinik Valeriia Sarhosh hielt einen Vortrag über die Myopiekontrolle bei Kindern — insbesondere darüber, was geschieht, wenn ein Kind von gewöhnlichen Brillengläsern auf Gläser mit peripherem Defokus umgestellt wird.

Warum Myopie eines der wichtigsten Themen der Kinderophthalmologie ist
Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern ist nicht einfach nur „ein Minus in der Brille“. Es handelt sich um einen Zustand, bei dem sich der Augapfel schneller verlängert als vorgesehen. Je stärker die Myopie im Erwachsenenalter, desto höher das Risiko schwerwiegender Folgen: Netzhautablösung, myope Makulopathie, Glaukom.
Das moderne Ziel lautet daher nicht nur „damit das Kind jetzt gut sieht“, sondern das Fortschreiten zu verlangsamen, solange das Auge wächst.
Was Gläser mit peripherem Defokus sind
Gewöhnliche Brillen liefern ein scharfes Bild in der Mitte. In der Netzhautperipherie wird das Bild dabei jedoch häufig dahinter fokussiert — für das Auge ein Signal „weiter zu wachsen“.
Gläser mit peripherem Defokus (auch Myopiekontroll-Gläser genannt) funktionieren anders. In der Mitte des Glases befindet sich die gewohnte Korrektur für scharfes Sehen. Rund um das Zentrum liegen spezielle Mikrozonen, die in der Netzhautperipherie einen myopen Defokus erzeugen — ein Signal, das Wachstum zu bremsen. Das Kind sieht scharf, der Reiz zur Verlängerung des Auges nimmt ab.
Worum es im Vortrag ging
Der Vortrag von Valeriia Sarhosh war genau dem Wechsel von gewöhnlichen Gläsern zu Gläsern mit peripherem Defokus gewidmet: wie sich die Myopiedynamik nach einem solchen Wechsel verändert, worauf Ärzte und Eltern achten sollten und welche Erwartungen realistisch sind.
Wichtig ist: Grundlage des Vortrags waren eigene Beobachtungen der Klinik — eine prospektive Untersuchung an Kindern, bei der der hemmende Effekt nach der Umstellung auf eine Korrektur mit peripherem Defokus bewertet wurde. Mitautorin der Arbeit ist Professorin Oksana Vitovska. Es handelt sich also nicht um fremde Daten, sondern um Ergebnisse unserer eigenen Patienten in Kyjiw.

Die wichtigsten praktischen Punkte:
- Der Zeitpunkt zählt. Je früher die Myopiekontrolle beginnt, desto weniger „überflüssige Dioptrien“ kommen hinzu.
- Verlaufskontrolle ist notwendig. Beurteilt werden nicht nur die Sehschärfe, sondern auch die Veränderung der Refraktion und die Augenlänge — ein objektiver Hinweis darauf, ob die Methode wirkt.
- Die Tragedauer ist entscheidend. Diese Gläser wirken nur, wenn das Kind die Brille durchgehend trägt und nicht nur „für den Unterricht“.
- Es ist nicht die einzige Methode. Zur Myopiekontrolle gehören auch Nahtätigkeiten, Zeit im Freien bei Tageslicht und je nach Indikation weitere Verfahren.
Was das für Eltern bedeutet
Wenn bei einem Kind Kurzsichtigkeit festgestellt wurde und das „Minus“ jährlich zunimmt, ist das ein Anlass, nicht einfach eine neue Brille zu verordnen, sondern mit dem Arzt eine Strategie zur Myopiekontrolle zu besprechen. Wichtig zu wissen: Keine Methode „hebt“ die Kurzsichtigkeit auf. Ziel ist, dass das Kind das Erwachsenenalter mit einem geringeren Minus und geringeren Netzhautrisiken erreicht.

Termin für Kinder vereinbaren
In der Deutschen Augenklinik können Sie eine vollständige Sehdiagnostik für Ihr Kind durchführen lassen und ein individuelles Programm zur Myopiekontrolle erhalten. Einen Termin bei Valeriia Sarhosh können Sie telefonisch oder online vereinbaren.
