Hypophysenadenom und Chiasma-Syndrom ist ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse, der beim Wachsen beginnt, auf die Sehnervenkreuzung (das Chiasma) zu drücken. Dadurch verliert der Mensch allmählich die seitlichen (temporalen) Teile des Gesichtsfelds auf beiden Augen. Der Zustand entwickelt sich langsam, deshalb bemerken ihn viele erst spät.
Was ist ein Hypophysenadenom und Chiasma-Syndrom
Die Hypophyse ist eine kleine Drüse an der Schädelbasis, die die Hormone des Körpers steuert. Ein Adenom ist eine gutartige (nicht bösartige) Gewebewucherung dieser Drüse. Die Hypophyse liegt sehr nahe an der Sehnervenkreuzung — der Stelle, an der sich die Sehnerven beider Augen teilweise kreuzen. Wenn das Adenom größer wird, drückt es von unten nach oben auf diese Kreuzung. Dadurch werden genau jene Fasern geschädigt, die für die temporalen (seitlichen) Hälften des Gesichtsfelds zuständig sind. So entsteht das „Chiasma-Syndrom“ — das typische Bild des Verlusts des seitlichen Sehens auf beiden Seiten.
Ursachen
- Gutartige Wucherung von Hypophysenzellen (Adenom) — die Hauptursache.
- Hormonell aktive Tumoren, die zu viele Hormone bilden (Prolaktin, Wachstumshormon und andere).
- Hormonell inaktive Tumoren, die lange unbemerkt wachsen und erst als große Tumoren entdeckt werden.
- Manchmal andere Raumforderungen der Chiasma-Sella-Region, die auf die Kreuzung drücken.
- Erbliche Neigung zu Tumoren der Hormondrüsen (selten).
Symptome
- Ausfall der seitlichen Gesichtsfelder auf beiden Augen (bitemporale Hemianopsie) — der Mensch sagt „ich sehe an den Rändern nichts“, stößt an Türrahmen und bemerkt Gegenstände seitlich nicht.
- Allmähliche Abnahme der Sehschärfe — zunächst leicht, dann deutlicher.
- Ein Gefühl von „Scheuklappen“ oder Tunnelblick, wenn nur noch der zentrale Teil übrig bleibt.
- Doppelbilder beim Blick zur Seite (wenn der Tumor benachbarte Nerven berührt).
- Kopfschmerzen, meist im Stirnbereich oder hinter den Augen.
- Hormonelle Störungen: gestörter Menstruationszyklus, verminderte Libido, Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, bei Männern verminderte Potenz.
Warum dies ein neuroophthalmologischer Zustand ist
Das Problem entsteht nicht im Auge selbst, sondern dadurch, dass der Tumor auf die Sehbahnen im Gehirn drückt. Eine übliche augenärztliche Untersuchung kann zeigen, dass Augenhintergrund und Netzhaut normal aussehen, während das Gesichtsfeld bereits ausfällt. Genau deshalb ist eine Beratung durch einen Neuroophthalmologen wichtig — einen Arzt, der sich sowohl mit dem Auge als auch mit dem Zusammenhang zwischen Sehen und Gehirn auskennt. Er beurteilt die Gesichtsfelder und den Zustand des Sehnervs, veranlasst die nötigen Untersuchungen und überweist bei Bedarf an einen Neurochirurgen und einen Endokrinologen.
Diagnostik
- Perimetrie (Gesichtsfeldprüfung) — die zentrale Untersuchung, die den charakteristischen Ausfall der temporalen Hälften auf beiden Augen aufdeckt.
- Optische Kohärenztomographie (OCT) — misst die Dicke der Sehnervenfasern und zeigt Anzeichen ihrer Kompression.
- MRT der Chiasma-Sella-Region — die wichtigste Untersuchung, die den Tumor selbst, seine Größe und den Druck auf die Kreuzung zeigt.
- Untersuchung des Augenhintergrunds und Prüfung der Sehschärfe.
- Bluttests auf Hypophysenhormone (gemeinsam mit einem Endokrinologen).
Behandlung
Das Wichtigste ist, sich so früh wie möglich vorzustellen: je kürzer der Tumor auf die Sehnervenkreuzung drückt, desto größer sind die Chancen, das Sehen zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Behandlung erfolgt immer im Team. Der Neuroophthalmologe überwacht den Zustand des Sehens und der Gesichtsfelder. Der Neurochirurg entscheidet über die Entfernung des Tumors (oft über einen minimal-invasiven Zugang). Der Endokrinologe wählt die Behandlung der Hormonstörungen — manche Tumoren (zum Beispiel Prolaktinome) sprechen gut auf Medikamente ohne Operation an. Nach der Behandlung ist es wichtig, die Gesichtsfelder regelmäßig zu prüfen, um die Erholung zu verfolgen und ein erneutes Wachstum rechtzeitig zu bemerken.
Wann Sie dringend einen Arzt aufsuchen sollten
Schieben Sie einen Besuch nicht auf, wenn Sie bemerken, dass sich das seitliche Gesichtsfeld auf beiden Seiten allmählich „verengt“ hat, die Sehschärfe schnell nachlässt, Doppelbilder aufgetreten sind oder starke, ungewöhnliche Kopfschmerzen bestehen. Eine plötzliche, starke Verschlechterung des Sehens zusammen mit starken Kopfschmerzen und Übelkeit kann ein Zeichen für eine Einblutung in den Tumor sein — ein Zustand, der eine notfallmedizinische Versorgung erfordert.
Deutsche Augenklinik, Telefon 0 800 507 670, Serviceseite „Konsultation beim Neuroophthalmologen“.