Augenmuskelnervenlähmungen (III, IV, VI) sind Störungen der Nerven, die die Bewegungen der Augen und der Lider steuern. Das häufigste Anzeichen sind Doppelbilder (Diplopie), die oft plötzlich auftreten und sehr belastend sind. Da hinter diesem Symptom ernste Ursachen stehen können, sollte Sie so bald wie möglich ein Arzt untersuchen.
Was sind Augenmuskelnervenlähmungen
Die Bewegungen jedes Auges werden von drei Nervenpaaren gesteuert. Der Augenbewegungsnerv (III) ist für die meisten Augenbewegungen, das Anheben des Lids und das Verengen der Pupille zuständig. Der Rollnerv (IV) dreht das Auge nach unten und innen. Der abziehende Nerv (VI) bewegt das Auge nach außen, zur Schläfe. Wenn einer dieser Nerven geschädigt ist, arbeiten die Augenmuskeln nicht mehr zusammen — die Augen blicken in verschiedene Richtungen, und das Gehirn sieht zwei Bilder statt einem. Das sind die Doppelbilder.
Ursachen
- Gefäßerkrankungen — Diabetes und Bluthochdruck stören am häufigsten die Durchblutung des Nervs (besonders bei Menschen über 50).
- Aneurysma — eine Aussackung der Wand eines Hirngefäßes, die auf den Nerv drücken kann. Ein gefährlicher Zustand, der eine Notfallversorgung erfordert.
- Tumoren des Gehirns oder der Augenhöhle.
- Verletzungen von Kopf und Augenhöhle.
- Erhöhter Hirndruck — betrifft am häufigsten den abziehenden Nerv (VI).
- Entzündliche und infektiöse Prozesse, Multiple Sklerose.
Symptome
- Doppelbilder — das Bild spaltet sich, besonders beim Blick in eine bestimmte Richtung; beim Schließen eines Auges verschwinden die Doppelbilder.
- Hängendes Lid (Ptosis) — typisch für die Lähmung des Augenbewegungsnervs (III).
- Eingeschränkte Augenbeweglichkeit — das Auge kann sich in eine Richtung, nach oben oder unten nicht drehen.
- Schielen — das Auge weicht sichtbar nach außen oder innen ab.
- Ungleich große Pupillen — eine Pupille ist erweitert und reagiert schlecht auf Licht (ein Warnzeichen bei einer Lähmung des III. Nervs).
- Zwangshaltung des Kopfes — die Person neigt oder dreht den Kopf, um die Doppelbilder zu verringern.
Warum dies ein neuroophthalmologischer Zustand ist
Die Augenmuskelnerven sind Teil des Nervensystems, nicht des Auges selbst. Deshalb beginnt das Problem oft nicht im Augapfel, sondern im Gehirn, in den Gefäßen oder in den Nervenbahnen. Ein solcher Zustand wird am besten von einem Neuroophthalmologen beurteilt — einem Arzt, der an der Schnittstelle von Augenheilkunde und Neurologie arbeitet. Er stellt fest, welcher Nerv geschädigt ist, und findet vor allem die Ursache heraus — von einer harmlosen Gefäßursache bis zu einer lebensbedrohlichen. Deshalb dürfen Doppelbilder niemals ignoriert werden.
Diagnostik
- Ausführliche Untersuchung der Augenbewegungen, der Lider und der Pupillenreaktion auf Licht.
- Beurteilung von Art und Richtung der Doppelbilder mit speziellen Methoden.
- MRT oder CT des Gehirns zur Suche nach Aneurysma, Tumor oder Schädigungsherd.
- CT- oder MR-Angiographie der Hirngefäße bei Verdacht auf ein Aneurysma.
- Blutuntersuchungen — Zuckerwert, Entzündungswerte, Blutdruck.
- Bei Bedarf — Beratung durch Neurologen, Endokrinologen oder Neurochirurgen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Werden die Doppelbilder durch Diabetes oder Bluthochdruck verursacht, bilden sich viele Fälle innerhalb weniger Wochen oder Monate von selbst zurück, nachdem diese Werte eingestellt wurden. Aneurysma, Tumor oder Verletzung werden gesondert behandelt — oft gemeinsam mit einem Neurochirurgen. Um die Doppelbilder während der Genesung zu verringern, werden spezielle Prismen in der Brille oder das vorübergehende Abdecken eines Auges eingesetzt. In hartnäckigen Fällen hilft eine Operation an den Augenmuskeln. Am wichtigsten ist die frühe Vorstellung: Je schneller die Ursache gefunden wird, desto größer die Chance, die Gesundheit und manchmal das Leben zu bewahren.
Wann Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten
Suchen Sie sofort Hilfe, wenn Doppelbilder plötzlich auftreten und von starken Kopfschmerzen sowie einer erweiterten Pupille an einem Auge begleitet werden. Diese Kombination kann auf ein Hirnaneurysma hinweisen, das unverzüglich ausgeschlossen werden muss — ein lebensbedrohlicher Zustand. Warten Sie nicht, „bis es vergeht“: In solchen Fällen zählt jede Stunde.
Deutsche Augenklinik, Telefon 0 800 507 670, Seite der Leistung „Konsultation beim Neuroophthalmologen“.