Multiple Sklerose und Sehvermögen — die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Hülle der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark schädigt. Sehr oft macht sich die Krankheit zuerst an den Augen bemerkbar, denn der Sehnerv gehört zu den zuerst betroffenen Bereichen. Deshalb hilft es, plötzliche Veränderungen des Sehvermögens ernst zu nehmen, um MS frühzeitig zu erkennen.
Wie Multiple Sklerose das Sehvermögen beeinflusst
Bei der Multiplen Sklerose zerstört das Immunsystem das Myelin — die Schutzhülle, die die Nervenfasern umgibt. Der Sehnerv und die Hirnbereiche, die die Augenbewegungen steuern, sind für solche Schäden sehr empfindlich. Wenn das Signal vom Auge zum Gehirn langsamer wird oder unterbrochen ist, bemerkt der Mensch verschwommenes Sehen, Schmerzen bei Augenbewegungen, Doppelbilder oder ein „springendes“ Bild. Bei vielen Patienten ist gerade ein Sehproblem das erste Warnsignal, das sie zum Arzt führt, noch bevor andere Anzeichen der Krankheit auftreten.
Ursachen und Mechanismus
- Das Immunsystem greift irrtümlich das Myelin an — die Hülle der Nervenfasern.
- Im Sehnerv entsteht eine Entzündung (Sehnervenentzündung), und die Signalübertragung wird gestört.
- Eine Schädigung der Nervenbahnen, die die Augenbewegungen steuern, verursacht Doppelbilder und Nystagmus.
- Herde können in verschiedenen Hirnbereichen auftreten, deshalb sind die Symptome unterschiedlich.
- Die genaue Ursache der MS ist unbekannt; Vererbung, durchgemachte Infektionen und Umweltfaktoren spielen eine Rolle.
Sehsymptome
- Plötzliche Verschlechterung oder Verschwommenheit des Sehens auf einem Auge.
- Schmerzen im Auge, die sich bei Bewegung des Augapfels verstärken.
- Doppelbilder (Diplopie).
- Unwillkürliche pendelnde Augenbewegungen (Nystagmus).
- Gestörte Farbwahrnehmung — Farben wirken blass oder „verblichen“.
- Gefühl eines „Vorhangs“ oder eines dunklen Flecks vor dem Auge.
- Gestörte Koordination der Augenbewegungen, wenn sich beide Augen nicht synchron bewegen (internukleäre Ophthalmoplegie).
Warum es sich um einen neuroophthalmologischen Zustand handelt
Die Sehsymptome der Multiplen Sklerose liegen an der Grenze zwischen Neurologie und Augenheilkunde. Das Auge selbst ist gesund, die Ursache des Problems liegt in den Nerven und im Gehirn, die für das Sehen verantwortlich sind. Deshalb werden solche Patienten von einem Neuroophthalmologen betreut — einem Arzt, der zugleich den Aufbau des Auges und die Arbeitsweise des Nervensystems versteht. Er kann eine Sehnervenentzündung von anderen Ursachen des Sehverlusts unterscheiden, den Zustand des Sehnervs beurteilen und den Patienten rechtzeitig zu einem Neurologen für eine vollständige Untersuchung überweisen.
Diagnostik
- Prüfung der Sehschärfe, der Gesichtsfelder und der Farbwahrnehmung.
- Untersuchung des Augenhintergrunds zur Beurteilung des Sehnervenkopfes.
- Optische Kohärenztomographie (OCT) — misst die Dicke der Nervenfasern der Netzhaut und hilft, Veränderungen im Verlauf zu verfolgen.
- Beurteilung der Augenbewegungen zur Erkennung von Nystagmus, Doppelbildern und Ophthalmoplegie.
- Bei Bedarf — Überweisung zum MRT des Gehirns und zur Konsultation bei einem Neurologen.
Behandlung und Beobachtung
Die Multiple Sklerose wird von einem Neurologen behandelt, doch der Neuroophthalmologe spielt bei der Früherkennung und Überwachung eine sehr wichtige Rolle. Akute Episoden einer Sehnervenentzündung heilen oft von selbst ab, und das Sehvermögen erholt sich weitgehend; Ärzte können eine entzündungshemmende Therapie einsetzen, um die Genesung zu beschleunigen. Wichtig ist, nicht zu zögern: Eine frühzeitige Vorstellung ermöglicht es, die Diagnose rechtzeitig zu stellen, die Behandlung der Grunderkrankung zu beginnen und den Sehnerv regelmäßig mit OCT zu überwachen. Geplante Kontrollen helfen, neue Veränderungen rechtzeitig zu bemerken und den Krankheitsverlauf unter Kontrolle zu halten.
Wann Sie dringend einen Arzt aufsuchen sollten
Suchen Sie sofort Hilfe, wenn sich das Sehen auf einem Auge innerhalb weniger Stunden oder Tage stark verschlechtert hat, Schmerzen bei Augenbewegungen auftreten, plötzlich anhaltende Doppelbilder entstehen oder Sie einen dunklen Vorhang vor dem Auge spüren. Solche Symptome erfordern eine rasche Untersuchung — Verzögerung kann die Erholung des Sehvermögens beeinträchtigen.
Deutsche Augenklinik, Telefon 0 800 507 670, Seite der Leistung „Konsultation beim Neuroophthalmologen“.