Die Optikusneuritis ist eine Entzündung des Sehnervs, die zu einem plötzlichen Sehverlust führt, häufig verbunden mit Schmerzen bei Augenbewegungen. Der Zustand gehört zu den neuroophthalmologischen Erkrankungen und erfordert eine rasche Diagnostik, da er die erste Manifestation einer Erkrankung des Nervensystems sein kann.
Was ist eine Optikusneuritis
Der Sehnerv überträgt das Bild von der Netzhaut zum Gehirn. Wenn er sich entzündet, wird die Signalübertragung gestört — und das Sehvermögen verschlechtert sich, manchmal innerhalb weniger Stunden oder Tage. Am häufigsten ist ein Auge betroffen, seltener beide. Die Erkrankung kann eigenständig auftreten oder mit demyelinisierenden und infektiösen Prozessen verbunden sein.
Ursachen
- demyelinisierende Erkrankungen — vor allem Multiple Sklerose sowie Neuromyelitis optica (NMOSD) und die MOG-assoziierte Erkrankung;
- virale und bakterielle Infektionen;
- autoimmune und systemische entzündliche Erkrankungen;
- toxische Einwirkung bestimmter Substanzen und Medikamente;
- bei einem Teil der Patienten lässt sich die Ursache nicht feststellen (idiopathische Neuritis).
Symptome
- plötzliche Abnahme der Sehschärfe auf einem Auge;
- Schmerzen im oder hinter dem Auge, die sich bei Augenbewegungen verstärken;
- gestörte Farbwahrnehmung — Farben erscheinen matt, «verblasst»;
- verminderter Kontrast und Helligkeit des Bildes;
- Auftreten eines Flecks oder «Schleiers» im Zentrum des Gesichtsfelds;
- manchmal — Lichtblitze bei Augenbewegungen.
Warum es sich um einen neuroophthalmologischen Zustand handelt
Die Optikusneuritis liegt an der Grenze zwischen Augenheilkunde und Neurologie. Sie kann das erste Anzeichen einer Multiplen Sklerose oder einer anderen Erkrankung des Nervensystems sein, noch bevor neurologische Symptome auftreten. Deshalb ist es wichtig, nicht nur den Sehverlust zu registrieren, sondern den Zustand des Sehnervs und der Sehbahnen umfassend zu beurteilen. Das ist die Aufgabe eines Neuroophthalmologen — eines Arztes, der an der Schnittstelle von Augenheilkunde, Neurologie und Neurochirurgie arbeitet.
Diagnostik
Die Untersuchung zielt darauf ab, die Diagnose zu bestätigen und die Ursache zu finden:
- Prüfung der Sehschärfe und der Farbwahrnehmung;
- Beurteilung der Pupillenreaktion und Feststellung eines relativen afferenten Pupillendefekts (RAPD);
- computergestützte Perimetrie (Gesichtsfelduntersuchung);
- Ophthalmoskopie und OCT des Sehnervenkopfes;
- visuell evozierte Potenziale;
- MRT des Gehirns und der Orbita — zur Erkennung einer Demyelinisierung;
- bei Bedarf — Laboruntersuchungen und Konsultation eines Neurologen.
Behandlung
Das Vorgehen hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. In vielen Fällen wird unter ärztlicher Kontrolle eine entzündungshemmende Therapie eingesetzt; bei Feststellung einer systemischen Erkrankung werden Fachärzte hinzugezogen. Von entscheidender Bedeutung ist eine frühzeitige Vorstellung: Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung erhöhen die Chancen, das Sehvermögen zu erhalten und eine Erkrankung des Nervensystems rechtzeitig zu erkennen.
Wann Sie dringend einen Arzt aufsuchen sollten
Suchen Sie sofort Hilfe, wenn das Sehvermögen auf einem oder beiden Augen plötzlich nachlässt, Schmerzen hinter dem Auge bei Augenbewegungen auftreten oder ein Teil des Gesichtsfelds ausfällt. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto mehr Möglichkeiten gibt es, die Sehfunktion zu erhalten.
In der Deutschen Augenklinik werden Diagnostik und Beobachtung bei einer Optikusneuritis von einem Neuroophthalmologen, Doktor der medizinischen Wissenschaften, durchgeführt. Einen Beratungstermin können Sie telefonisch unter 0 800 507 670 oder über die Seite der Leistung «Konsultation beim Neuroophthalmologen» vereinbaren.