Ischämische Optikusneuropathie ist eine akute Störung der Blutversorgung des Sehnervs, durch die seine Fasern zu wenig Sauerstoff erhalten und rasch geschädigt werden. Die Folge ist ein plötzlicher, meist schmerzloser Verlust eines Teils des Sehvermögens oder der Ausfall eines Teils des Gesichtsfelds auf einem Auge. Der Zustand erfordert eine rasche Untersuchung, da in manchen Fällen ein reales Risiko besteht, auch auf dem zweiten Auge das Sehen zu verlieren.
Was ist eine ischämische Optikusneuropathie
Der Sehnerv ist das „Kabel“, das das Bild vom Auge zum Gehirn überträgt. Um zu funktionieren, benötigt er ständig eine Blutzufuhr. Wenn diese Blutversorgung plötzlich unterbrochen wird, „hungert“ ein Abschnitt des Nervs ohne Sauerstoff und leitet die Signale nicht mehr richtig weiter. Man unterscheidet eine vordere Form (AION), bei der der für den Arzt sichtbare Sehnervenkopf betroffen ist, und eine hintere Form, bei der der Teil des Nervs hinter dem Auge betroffen ist. Gesondert unterscheidet man die arteriitische Form (auf dem Boden einer Gefäßentzündung, der Riesenzellarteriitis) und die nicht-arteriitische Form (verbunden mit vaskulären Risikofaktoren). Dieser Unterschied ist entscheidend: Die arteriitische Form ist gefährlicher und erfordert eine Notfallversorgung.
Ursachen
- Riesenzellarteriitis (Schläfenarteriitis) — Entzündung der Arterienwände bei älteren Menschen; die gefährlichste, arteriitische Form.
- Arterielle Hypertonie — lang bestehender hoher Blutdruck, der kleine Gefäße schädigt.
- Diabetes — beeinträchtigt die Versorgung von Nerven und Gefäßen.
- Atherosklerose und erhöhtes Cholesterin — Verengung und Verschluss der Gefäße.
- Starke Blutdruckschwankungen, einschließlich nächtlichem Absinken und Episoden niedrigen Blutdrucks.
- Rauchen, verdicktes Blut, Schlafapnoe und andere vaskuläre Risikofaktoren.
Symptome
- Plötzlicher, meist schmerzloser Verlust eines Teils des Sehvermögens auf einem Auge.
- Ausfall eines Teils des Gesichtsfelds — oft der unteren oder oberen Hälfte.
- Verschwommenheit, ein „Vorhang“ oder ein dunkler Fleck vor dem Auge.
- Verschlechterung der Farb- und Helligkeitswahrnehmung.
- Bei der arteriitischen Form — zusätzlich Schmerzen in der Schläfe, Kieferschmerzen beim Kauen, Kopfschmerzen, Fieber, Schwäche und kurzzeitiges „Verdunkeln“ des Sehens vor dem dauerhaften Verlust.
Warum dies ein neuroophthalmologischer Zustand ist
Die ischämische Optikusneuropathie liegt an der Grenze zwischen Augenheilkunde und Neurologie: Betroffen ist der Sehnerv — eine Struktur, die das Auge direkt mit dem Gehirn verbindet. Die Art der Schädigung richtig einzuschätzen, sie von anderen Ursachen eines plötzlichen Sehverlusts zu unterscheiden und die gefährliche arteriitische Form rechtzeitig zu erkennen, ist Aufgabe eines Neuroophthalmologen. Ein solcher Facharzt beurteilt den Sehnerv, das Gesichtsfeld und die vaskulären Faktoren gemeinsam und nicht getrennt, weshalb eine Konsultation beim Neuroophthalmologen hier entscheidend ist.
Diagnostik
- Prüfung der Sehschärfe, der Farbwahrnehmung und der Pupillenreaktionen.
- Untersuchung des Augenhintergrunds — Beurteilung des Sehnervenkopfs (Schwellung, Blässe).
- Untersuchung des Gesichtsfelds (Perimetrie) zur Erkennung von Ausfällen.
- OCT — optische Kohärenztomographie des Sehnervs und der Netzhaut.
- Dringende Blutuntersuchungen, BSG und C-reaktives Protein (CRP) — um die arteriitische Form auszuschließen oder zu bestätigen.
- Blutdruckmessung, Kontrolle von Blutzucker und Cholesterin; bei Bedarf — Konsultation eines Neurologen und Gefäßuntersuchung.
Behandlung
Die wichtigste Regel lautet: nicht zögern. Besteht der Verdacht auf die arteriitische Form (im Zusammenhang mit der Riesenzellarteriitis), wird die Behandlung mit hohen Dosen Kortikosteroiden notfallmäßig begonnen, noch bevor die Diagnose endgültig bestätigt ist, denn jede Stunde Verzögerung erhöht das Risiko eines raschen und irreversiblen Sehverlusts auf dem zweiten Auge. Bei der nicht-arteriitischen Form liegt der Schwerpunkt auf der Korrektur der Risikofaktoren: Normalisierung des Blutdrucks (ohne übermäßiges nächtliches Absinken), Kontrolle von Diabetes und Cholesterin, Verzicht auf das Rauchen und bei Bedarf Abklärung einer Schlafapnoe. Ziel der Behandlung ist es, das verbliebene Sehvermögen zu erhalten, das zweite Auge zu schützen und erneute Episoden zu verhindern. Der Plan wird immer individuell nach einer vollständigen Untersuchung erstellt.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe suchen sollten
Suchen Sie sofort Hilfe, wenn sich das Sehen auf einem Auge plötzlich verschlechtert hat oder ausgefallen ist oder ein „Vorhang“ bzw. ein dunkler Bereich im Gesichtsfeld aufgetreten ist — auch wenn keine Schmerzen bestehen. Besonders beunruhigend ist es, wenn dies bei einem älteren Menschen mit Schmerzen in der Schläfe, Kieferschmerzen beim Kauen, starken Kopfschmerzen, Fieber oder allgemeiner Schwäche einhergeht: Dies kann ein Zeichen der arteriitischen Form sein, bei der Verzögerung den Verlust des Sehvermögens auf beiden Augen droht. In solchen Situationen ist Zeit entscheidend.
Deutsche Augenklinik, Telefon 0 800 507 670, Seite der Leistung „Konsultation beim Neuroophthalmologen“.